Dienstag, Juli 13, 2004

Black Box

„Die Geschichte des Schwarzraumes“

Inhaltsverzeichnis:


1. Der frühe künstliche Schwarzräume
2. Camera obscura
3. Laterna magica
4. Die Geschichte der Fotografie
4.1. Joseph Nicéphore Niepce
4.2. Louis - Jaques – Mandé Daguerre
4.3. Frederick Scott Archer
4.4. Dr. Richard Leach Maddox
5. Die Geschichte des Kinos
6. Die Black Box in der Kunst
6.1. Laszlo Moholy Nagy
6.2. Man Ray
6.3. Lucio Fontana
6.4. Daniel Spoerri
6.5. Eric Orr
Abbildungsangaben
Literaturangaben

1. Der frühe künstliche Schwarzräume:

Die früheste Überlieferung, eines künstlichen Schwarzraum, stammt aus dem 5. Jahrhundert vor Christus durch den chinesischen Philosophen Mo Ti. Es handelt sich um eine Beschreibung einer Camera obscura.

2. Camera obscura:
Der Begriff Camera obscura kommt aus dem Latein und heißt übersetzt „dunkler Raum“. Damit wird eine Lochkamera bezeichnet, die ungefähr in der Zeit von 384 – 322 v. Chr. erfunden wurde.
Bereits im 11. Jahrhundert hatte der arabische Forscher Ibn-al-Haitham beschrieben, wie mit Hilfe einer Camera obscura eine Sonnenfinsternis zu beobachten sei.
Bei der ersten bekannten Darstellung einer Camera obscura handelt es sich um einen Holzschnitt von 1545.


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Abb.1 Rainer Gemma Frisius, Camera obscura - Beobachtung der Sonnenfinsternis am 24. Januar 15544, 1545, Holzschnitt

Die Camera obscura nutzte der Astronom und Arzt Rainer Stehen, latinisiert Rainer Gemma Frisius, zum Beobachten der Sonnenfinsternis am 24. Januar 1544. Auf dem Holzschnitt ist eine fensterlose Kammer dargestellt, in einen Wand befindet sich eine Öffnung. Durch diese Öffnung fällt das gebündelte Licht auf die gegenüberliegende Wand. Auf dieser projiziert sich ein kopfüber und seitenverkehrtes Bild, in diesem Fall die Sonnenfinsternis.
Das Bedürfnis nach detaillierter und proportional naturgetreuer Abbildung führte in der Renaissance zur Weiterentwicklung der Camera obscura zur Zeichenhilfe. Die der Öffnung gegenüberliegende Seite wurde durch eine Mattscheibe ersetzt, so konnte die Abbildung auf Papier übertragen werden. Dabei bewirkte eine Sammellinse, die in die Öffnung gesetzt wurde, ein wesentlich helleres Bild.
Diese Möglichkeit einer verbesserten Abbildung war 1568 durch den Venezianer Daniele Barbaro in seinem Werk "La pratica della prospeltiva" beschrieben worden. Barbaro hatte zudem erkannt, daß die Schärfe einer Abbildung vom Durchmesser der Öffnung abhängig ist.
Der Bildausschnitt war immer gleich und macht die Seherfahrung für jeden Betrachter reproduzierbar. Lediglich die aufwendige Ausrichtung der ganzen Camera obscura erlaubt eine neue Perspektive.(1)
Die Einäugigkeit macht das Abbild ideal zentralperspektivisch, der Betrachter kann im dunklen Raum umhergehen, ohne daß der Blickwinkel zur Außenwelt sich verändert, eine wichtige Voraussetzung für eine Experimentalanordnung der Zentralperspektive.(2)
Es wird beständig die Außenwelt abgebildet; „sie ist losgelöst von der menschlichen Erlebnissphäre und wird zum entkörperlichten Zeugen einer mechanisch und transzendentalen Repräsentation der Objektivität der Welt."(3) Das mathematisch, logische aufbereitete Konzept der Zentralperspektive war zum Synonym für Objektivität und Exaktheit geworden. Nach dieser „Scharfsinnigkeit“, durch welche man eine sichere und gesicherte sinnliche Erkenntnisleistung erhalten sollte, wurde seit Alters her gestrebt, die Konstruktion des rationalen Sehens in der Renaissance oder die aufklärerische Wahrnehmungspropädeutik.
Ein weiteres Phänomen im dunklen Raum ist, daß es keine Möglichkeit gibt mit dem Außen in Kontakt zu treten, ebensowenig wie eine Interaktion von der Außenwelt mit dem Innenraum möglich ist. Eine passive autistische Seherfahrung wird dem Betrachtenden aufgezwungen.

Die erste transportable Camera obscura beschrieb und illustrierte der deutsche Jesuitenpater und römische Professor Athanasius Kircher 1646. Die„zimmergroße“, dunkle Kammer steht in der Natur. Die doppelwandige Zelle besteht im Inneren aus Papier und soll dem Zeichner als optisches Hilfsmittel für eine exakte Reproduktion der äußeren Welt dienen.(4)


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Abb.2 Athanasius Kircher, Transportable Camera obscura in Zommergröße, 1646, Kupferstich

Speziell für den Gebrauch durch den Künstler wurden mit der Zeit kleinere Modelle entwickelt. Johannes Zahn konstruierte 1686 eine transportable Camera obscura, die er "Oculus articialis" (künstliches Auge) nannte. Durch einen Spiegel, der im Winkel von 45 Grad zur Linse im Inneren der Kamera angebracht war, wurde das Bild nach oben auf eine Mattscheibe projiziert und konnte so bequem abgezeichnet werden. Sein Modell einer Camera obscura


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Abb.3 Johannes Zahn, Kleine transportable Camera Obscura, 1665

enthielt zudem ein Objektiv, in dem sich zwei bis drei Linsen in gegeneinander verschiebbaren Röhren befanden. Zahn stellte fest, daß Bildgröße und Bilddistanz in Abhängigkeit zur Brennweite der verwendeten Sammellinsen standen. Damit war die Beschreibung des Tele- und Weitwinkeleffekts bereits vorweggenommen
Mit dem Modell des Sehens, der Camera obscura, gewann sie auch eine prägende Bedeutung ganzer Wissenschaftler- und Philosophengenerationen:
Descartes´ 1637 erschienen Abhandlung la dioptrique, Newtons Opticks 1704 bezeugen dies.
In der Dioptrik bringt Descartes` Sehtheorie auf den Punkt. Die Anlage der Camera obscura ist deutlich zu sehen mit dem Betrachter, welcher die Rückseite des Auges beobachtet.
„In einer bestimmten Entfernung sind über einen riesigen Auge drei geometrische Figuren angeordnet: ein Kreis, eine Raute und ein Dreieck. Von ihnen führen durch das unter ihnen laufende Auge Strahlen, deren Brennpunkte auf der Netzhaut liegen. Die rückwärtigen Häute des Auges sind entfernt worden, damit der Philosoph (Descartes selbst?) die drei auf die hintere Fläche projizierten Bilder sehen kann. Die im oberen Teil des Bildes abgebildete Außenwelt ist hell wiedergegeben; der untere Teil, der den Betrachter umgibt, ist dunkel."(5)
Bei John Locke wird der Schwarzraum in seinem Essay on Human Understanding von 1690 zur Metapher für den Verstand des Menschen: „...meines Erachtens ist der Verstand gar nicht so unähnlich einem Zimmer, das gegen das licht vollständig abgeschlossen ist und in dem nur einige Öffnungen vorhanden sind“.(6 )Der Paradigmenwechsel zum cartesianischen Sehen schien 1772 endgültig vollzogen.(7)
Der Schwarzraum diente von Anfang an der Bildwerdung und Klärung von Welt und Himmelphänomenen in einem abgeschirmten Beobachtungsposten. Er bietet Schutz vor dem Licht und zuviel Sinneseindrücken. Der Mensch wird bei Dunkelheit in einem leeren Raum separiert, ohne einen festen Betrachterstandort und weist damit einige zentrale Strukturmerkmale auf, die später auch in den Schwarzräumen der Kunst wirksam werden.(8)

3. Laterna magica:
Im 17. Jahrhundert entwickelte sich ein Gegenmodell der Schwarzraum – Nutzung, die Laterna magica. Bei der Camera obscura werden Projektion und Realität prinzipiell unterschieden. Die Projektion der Laterna magica wird zu ihrer eigenen Realität, nur durch das künstliche Licht kann im Schwarzraum ein Spiegelbild, eine Projektion erzeugt werden.
Athanasius Kirchers anti – cartesianische Zauberlaterne war mit der neusten Technik seiner Zeit ausgestattet. Er nutzte verschiedene künstliche Lichtquellen, Spiegel, projizierte Bilder und zum Teil lichtdurchlässige Edelsteine.(9) Das künstliche Licht sollte das überirdische Sein im Schwarzraum realisieren.(10)
Die älteste bis heute erhaltene Laterna magica gehörte dem Holländer Jan von Musschenbroek. Mit ihr wurde eine wandfüllende Projektion eines teuflischen Tierweibes hergestellt.


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Abb.4 Willem Jacob´s Gravesande, Der Mechanismus van Jan van Musschenbroeks Projektionslaterne, 1721, Kupferstich

Sie wurde mit einer Öllampe betrieben und hatte einen konkaven Spiegel, um den Lichtstrahl zu verstärken. Durch ein ausgereiftes System von Linsen konnte eine solch große Raumprojektion hergestellt werden.
Die Wirkung solch großer, teuflischer Wesen im Dunkeln dürfte massiv gewesen sein und Angst hervorgerufen haben.
Im Gegensatz dazu erschienen die auf dem Kopf stehenden, seitenverkehrten Projektionen der Camera obscura dem Sehenden deutlich künstlich. Die Laterna magica belebte durch die Forschung und Phantasie ein weites Feld. Die Projektion aktivierte Abwesendes oder schon Geschaffenes im Augenblick der Belichtung jeweils neu und erzeugte dadurch eine ganz eigene Lebendigkeit. (11)
Der Franzose Etienne Gaspard Robert alias Professor Robertson entwickelte die Laterna magica zu einem regelrechten Multimedia – Spektakel weiter, wie uns aus dem Jahr 1797 überliefert ist. In dunklen Gewölben zeigte er Figuren die sich vergrößerten, sie begleitet werden von Erzählern und Geräuschemachern, welche für die Special Effects sorgten.(12)
Die Vergrößerung erreichte er durch Räder unter den Zauberlaternen, die so ihre Projektionsdistanz verändern konnten. Er verwendete wohl zum ersten Mal den Zoomeffekt und eröffnete das Horrorgenre mit bewegten Bildern.
In einer verlassenen Kapelle in der Nähe einer Kapuzinerklosters bei der Pariser Place de Vendôme findet die Geburt des Kinos statt. Wie im Kino befanden sich auch dort feste Sitzbänke.


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Abb. 5 Etienne Gaspard Robertson, Vorführung mit Geister- und Teufelsprojektionen 1797, 1840 Radierung

Die Schwarzraum – Kunst des Berner Malers Franz Niklaus König, Anfang des 19. Jahrhunderts, bestand aus einem Transparenten – Kabinett, die er mit einem eigens angefertigten Diaphanorama – Kasten, in verdunkelten Sälen zeigte. 1820 auf einer Tournee durch Frankreich und Deutschland sah Goethe in Weimar eine Sondervorstellung.
Goethe sprach in diesem Zusammenhang von einem peinvollen Gefühl.

4. Geschichte der Fotografie:


4.1. Joseph Nicéphore Niepce

Im 18. Jahrhundert wurde mit der Entdeckung der Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen die Grundlage für die Fotochemie geschaffen.
Niepce hatte zuerst Versuche mit Papier, welches mit Silberchlorid lichtempfindlich gemacht wurde, unternommen. 1816 gelang es ihm, auf Chlorsilberpapier Bilder in der Camera obscura herzustellen, die allerdings nicht lichtbeständig waren. So benutze er schließlich Asphalt als lichtempfindliche Schicht. 1824 gelang es Niepce mit diesem Verfahren von der Aussicht seines Arbeitszimmers ein Bild in der Camera obscura anzufertigen. Eines dieser Bilder ist erhalten geblieben und stammt aus dem Jahr 1826 oder 1827. Niepce nannte seine belichteten Platten selber Heliographien (helios = griech. Sonne, graphien = griech. zeichnen). Dieses Verfahren war für normale Fotografien ungegeeignet, da die Belichtungszeit bis zu acht Stunden betrug.

4.2. Louis – Jacques – Mandé Daguerre
Louis-Jacques-Mandé Daguerre war ein erfolgreicher Theatermaler, wobei die Besonderheit seiner gemalten Bühnenbilder darin bestand, daß bei durchfallendem Licht beispielsweise eine Landschaft bei Nacht, und bei auffallendem Licht dieselbe Landschaft bei Tag zu sehen war. Er bot Niepce eine Partnerschaft an. Nach langem Zögern ging Niepce darauf ein und beide schlossen einen zehnjährigen Partnerschaftsvertrag ab.
Daguerre suchte fieberhaft nach Möglichkeiten, die Belichtungszeit zu verkürzen. Er konnte damit keine Menschen oder sich bewegende Dinge fotografieren. Daguerre benutzte
Silberplatten bzw. versilberte Kupferplatten, die er durch Joddämpfe lichtempfindlich gemacht hatte. Wie so häufig im Bereich der Naturwissenschaften entdeckte Daguerre zufällig, daß durch Belichtung einer Jodsilberplatte ein latentes (nicht sichtbares) Bild
entsteht. Dieses konnte mit Quecksilberdampf entwickelt und damit also sichtbar gemacht werden. Durch diese Entdeckung konnte Daguerre die Belichtungszeit auf 4 Minuten im Sommer und 15 Minuten im Winter verkürzen. 1835 kündigte er im Pariser „Journal des Artistes'' an, daß es ihm gelingen würde, fotografische Portraits herzustellen, obwohl er noch keine Möglichkeit hatte, die Bilder zu fixieren. 1837 fand er das gesuchte Fixiermittel in einer einfachen Kochsalzlösung. Am 14. Juni 1839 kam es zu einem Vertrag zwischen Daguerre, I. Niepce und der französischen Regierung. Die Regierung hatte mit dem Ankauf der „Daguerreotypie'' das Recht erworben, diese Erfindung der Öffentlichkeit zu übergeben.


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Abb.6 Daguerreotypie - Kamera

I.Niepce und Daguerre erhielten als Gegenleistung eine lebenslange Rente, mit der sie ein gehobenes bürgerliches Leben führen konnten. Die Tatsache, daß die Daguerreotypie vom Staat angekauft und der Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht und nicht nach patentrechtlichen Bedingungen genutzt werden mußte, war für die rasche Ausbreitung der Fotografie in Frankreich verantwortlich. Dem neuen Medium bekam somit nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine politische Bedeutung zu. Diese Umstände lösten eine euphorische Welle der Begeisterung aus, die bis in die angrenzenden Nachbarländer schwappte. Die Erfindung löste überall reges Interesse aus, durch welches viele neue technische Weiterentwicklungen der Fotografie hervorgingen. Daguerre starb am 10. Juli 1851 in Petit-Bry-sur-Marne in Nordfrankreich.

4.3. Frederick Scott Archer
Das Naßplatten - Verfahren
Problematisch am Papier-Negativ-Positiv-Verfahren war, daß die Maserung des Papiers immer deutlich sichtbar, also das Auflösungsvermögen der Bilder nicht besonders gut war. Frederick Scott Archer beschrieb 1851 ein Verfahren zur Herstellung von Negativen auf der Basis von Glasplatten. Der Fotograf mußte jedoch immer eine komplette Dunkelkammer und alle entsprechenden Chemikalien mit sich führen.

4.4. Dr. Richard Leach Maddox
Die Gelatine- Trockenplatte
Im Jahre 1871 gelang dem englischen Arzt Richard Leach Maddox die Entwicklung einer Trockenplatte mit einer Bromsilber-Gelatine-Schicht, die in der Empfindlichkeit der Naßplatte gleichkam. Charles Bennet verbesserte die Empfindlichkeit dieser Gelatine-Trockenplatte 1878 durch ein Verfahren, bei dem die empfindliche Schicht bei erhöhter Temperatur einige Zeit aufbewahrt werden mußte. Damit wurde das Naßplattenverfahren endgültig verdrängt. Der Fotograf konnte beliebig viele Trockenplatten herstellen und brauchte nicht mehr seine komplette Dunkelkammer mit sich führen; daher leitete diese neue Technik auch den Aufschwung der Reisefotografie ein.

Mit der Photographie wird ein latentes Bild geschaffen, welche das lichtempfindliche Material in der Black Box Kamera gespeichert hat.

5. Geschichte des Kinos:
Bevor im Pariser Grand Café 1895 das Kino – Zeitalter eingeläutet wird, die Fotografie sowie das bewegte Bild sich bei den Gebrüdern Auguste und Louis-Jean Lumière zu einem Projektionssystem zusammen fügten, hatte das Schattentheater seine letzte Blütezeit. Das erste Stück im Chat noir 1887 hieß L´ Epopée.


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Abb.7 Jean - Paul Tiayre, Aufführung von Caran d´ Arches Militärstück "L´Épopée" im Chat noir. 1887, Lithografie


Die erste Vorführung der Brüder Lumiére fand im Grand Café in Paris am 28.12.1895 statt, die Einnahmen beliefen sich auf 33 Franc. Das Kino war geboren.
Ein Jahr später fügte der deutsche Erfinder und spätere Filmproduzent Oskar Meßter dieser Apparatur eine weitere Verbesserung hinzu, das von ihm entwickelte "Malteserkreuz" transportierte die Bilder im Projektor in nahtloser Folge und machte damit erstmals eine einwandfreie Vorführung möglich. In Amerika entstanden immer mehr Ladenkinos, sogenannte "Nickelodeons" in Europa wurde das Wunder der "bewegten Bilder" fester Bestandteil von Varieté-Vorführungen und Rummelplätzen.
Die Wirkung des Black Box Kino beschreibt Luis Bunuel mit dem Paradox, „ daß die allmählich den Kinoraum erfüllende Nacht dem Schließen der Augen gleichkommt. Dann beginnt auf der Leinwand und im Menschen eine Reise durch die Nacht des Unbewußten. Die Bilder erschienen und verschwinden wie im Traum durch Auflösungen und Verdunklungen; Zeit und Raum werden fließend....“ (13)

6. Die Black Box in der Kunst:

6.1. Laszlo Moholy Nagy:

Laszlo Moholy Nagy „Licht – Raum – Modulator“ (Apparat zur Demonstration von Licht und Bewegungserscheinungen“ = Eine mobile Konstruktion aus Kunststoff, Holz und verschiedenen Metallen, die, beleuchtet und angetrieben von einem Elektromotor, einen verdunkelten Raum mit stets wechselnden Licht- uns Schattenspielen erfüllt. Er arbeitete nach dem cartesiatische Prinzip der Camera obscura- eine distanzierte Klärung der Außenwelt – Phänomene von Licht und Raum.

6.2. Man Ray:
Bei der Eröffnung der Pariser Exposition Internationale du Surréalisme von 1938 wurden an die Besucher, auf Geheiß von Man Ray, am Eingang Taschenlampen ausgeteilt, da die Ausstellung im Schwarzraum stattfand. Auch dieses Happening war dem Laterna magica Prinzip und dessen Theater der Sinne und Projektionen verpflichtet.

6.3. Lucio Fontana:

Nach dem zweiten Weltkrieg 1949 realisiert Lucio Fontana in der Galleria del Naviglio in Mailand sein Ambiente nero In dieser Schwarzraum Installation hingen mit phosphorezierenden Farben bemalte Gebilde aus Pappmaché von der Decke, die in ultraviolettem Licht aufschimmerten.


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Abb.8 Lucio Fontana, Ambiente nero, 1948/ 1949, Entwurf zum Enviroment in der Galleria del Naviglio, Mailand

6.4. Daniel Spoerri:

Daniel Spoerris Tastlabyrinth entstand im Rahmen von Dylaby im Amsterdamer Stedelijk Museum 1962. Diese Ausstellung war auf Provokation angelegt und sollte den Betrachter aus seiner Passivität reißen. In Spoerris dunklen Labyrinth sollte der Tastsinn der Betrachter (bzw. der Begeher) angeregt werden. Im ging es um die Erfahrungen und Erweiterungen der Sinne, jenseits des Optischen.


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Abb. 9 Daniel Spoerri, Tastlabyrinth, 1962, Raum 1 der Ausstellung Dylaby in Stedelijk Museum Amsterdam


Bis weit in die 60er Jahre hinein dominierte der theatralische, mit Requisiten gefüllte Schwarzraum. Erst danach entwickelte sich ein radikaler Schwarzraum, der sich nun weit von der Camera obscura und der Laterna magica entfernt.

6.5. Eric Orrs

Eric Orrs Zero Mass Space von 1971 – 73 erscheint im Rückblick als Schlüsselinstallation.(14)


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Abb. 10 Eric Orr, Zero Mass Space, 1971 - 83, Konstruktionszeichnung

1987 wird sie im Kunstmuseum Bern unter dem Titel Fundamental Void erneut aufgebaut. Der Zutritt erfolgt mit geräuschdämpfenden Überschuhen, durch einen lichtdichten Gang gelangt man in einen ovalen Raum, der von einem eckigen Raum umgeben ist. Die Erfahrung ist, daß man sich in einem „schwarzen Nichts“ befindet und langsam werden die feinsten Sinneswahrnehmungen aktiviert. Aber auch alle anderen Sinne werden angeregt, der ganze Körper. Die Furcht vor der Dunkelheit, dem Ungewissen, wird hervor gerufen durch den Verlust der Grenzen, die nicht mehr zu erkennen sind. Zum anderen erlebten die Besucher auch ein Gefühl der Geborgenheit. Die Black Box wird zu einem anthropologischen Erfahrungs- und Bewußtseinsraum, der uns von vorgeburtlichen Erfahrungen bis zum Leben nach dem Tod führt. (15)
Im Gegensatz zur Camera obscura, von der aus man geschützt einer Erkenntnis der Blendung beiwohnt, werden wir nun nur noch von unseren eigenen Bildern bedrängt, unsere Sinne richten sich nach Innen.





(1) Erst Anfang bis Mitte des 18. Jhdts. kamen transportable Camera obscura auf, die Vorläufer der Lochkamera. Die auch ein einfaches Verschieben des Bildausschnittes erlaubten. Siehe Jonathan Crary, Techniken des Betrachters
(2) "Der Betrachter als Versuchskaninchen kann unter den künstlichen bedingungen des Experiments (der Zentralperspektive) gewissermaßen gar nicht anders, als die Übereinstimmung zu kontrastieren und überzeugt zu sein. Sein Fürwahrhalten wird durchdie Ordnung des Experiments herbeigefüührt." Angelica Horn, Das Experiment der Zentralperspektive in Descartes im Diskurs der Neuzeit, S. 28

(3)Jonathan Crary, Techniken des Betrachters, 1996, S. 57 f.
(4) Beil, Ralf (Hg.): Blach Box. Der Schwarzraum in der Kunst, Ostfilden -Ruit, 2001, S10
(5)Arthur Zajonc, Die gemeinsame Geschichte von Licht und Bewußtsein, S. 48
(6) Beil, Ralf (Hg.): Black Box, 2001, S.11
(7) Beil, Ralf (Hg.): Black Box, 2001, S.11
(8) Beil, Ralf (hg.): Black Box, 2001, S.11
(9) Crary, Jonathan: "Techniken des Betrachters. Sehen und Moderne im 19. Jhdt.", Basel/ Dresden 1996, S. 164
(10) Beil, Ralf (Hg.): Black Box, 2001, S. 11
(11) Beil, Ralf (Hg.): Black Box, 2001, S. 12
(12) Ganz, Thomas "Die Welt im Kasten. Von der Kamera obscura zur Audiovision.", Zürich 1994, S. 76
(13) Beil, Ralf (Hg.): Black Box, 2001, S. 15
(14) Beil, Ralf (Hg.): Black Box, 2001, S. 18
(15) Beil, Ralf (Hg.): Black Box, 2001, S. 20


Abbildungsangaben:
Abb. 1 Beil, Ralf (Hg.): "Black Box. Der Schwarzraum in der Kunst.", Ostfildern - Ruit 2001, S.10
Abb. 2 ebda. Abb.1, S.11
Abb. 4 ebda. Abb.1, S.12
Abb. 5 ebda. Abb.1, S.13
Abb. 7 ebda. Abb.1, S.14

Literaturangaben:
Beil, Ralf: „Black Box. Der Schwarzraum in der Kunst“, Ostfildern – Ruit 2001

Crary, Jonathan: „Techniken des Betrachters. Sehen und Moderne im 19. Jahrhundert“, Basel / Dresden 1996

Ganz, Thomas: „Die Welt im Kasten. Von der Camera obscura zur Audiovision“, Zürich 1994















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